Ein „Lockdown“, der eigentlich ein „Shutdown“ ist

Der Kommentar von Tobias Just
Der Kommentar von Tobias Just
Werbung

SDHEIDE/HERMANNSBURG. Vor eini­gen Mona­ten, als Coro­na sich gera­de eta­blier­te, hrte ich das Wort Lock­down zum ers­ten Mal. Und da ich von Haus aus eine Abnei­gung gegen Angli­zis­men habe, vor allem, wenn ich sie nicht ver­ste­he, habe ich Lock­down gegoogelt.

Und da stand: Lock­down = Aus­gangs­sper­re.

Manch­mal las oder hrte man im Zusam­men­hang mit den Coro­na­ma­nah­men auch das Wort Shut­down. Auch das war bis­lang unbe­kannt. Eben­falls gegoo­gelt: Shut­down = Aus­schal­ten, Schlie­ung, Stil­le­gung, Sen­de­schluss, Herunterfahren …

Mitt­ler­wei­le, nach vie­len Coro­na­mo­na­ten, hat sich das Wort Lock­down im Ren­nen mit Shut­down ein­deu­tig durch­ge­setzt. Na ja, klingt ja auch irgend­wie schnit­ti­ger oh, ich mei­ne natr­lich cooler.

Ist es nicht eigen­ar­tig, aber viel­leicht auch sym­pto­ma­tisch fr uns Deut­sche, dass wir gera­de­zu schtig nach eng­li­schen Wrtern sind und die­se dann ber­haupt nicht mehr hin­ter­fragt wer­den? Die Coro­na­ma­nah­men haben gesamt­ge­sell­schaft­lich so gut wie nichts mit einem Lock­down zu tun. Die­ses Wort ist in dem Zusam­men­hang ein­fach falsch. Das ist so falsch, als wrde ich zu einer ein­fa­chen Erkl­tung Coro­na sagen, um mal beim The­ma zu blei­ben. Nur ver­ein­zelt gab oder gibt es im Zuge der Manah­men in Deutsch­land ncht­li­che Ausgangssperren.

Noch­mal eine aus­fhr­li­che Erkl­rung zu Lock­down in Wik­tio­na­ry (Wiki­wr­ter­buch online): 

[1] zumeist mit Bezug auf nord­ame­ri­ka­ni­sche Verhlt­nis­se: (whrend eines Amok­laufs, eines ter­ro­ris­ti­schen Anschlags oder der­glei­chen) aus Sicher­heits­grn­den verhng­te vollstndi­ge Abrie­ge­lung eines Gebu­des, Gebu­de­kom­ple­xes bezie­hungs­wei­se eines bestimm­ten bewohn­ten oder von Men­schen fre­quen­tier­ten Are­als (die zumeist mit der Ver­bar­ri­ka­die­rung der sich in dem oder den Gebu­den bezie­hungs­wei­se auf dem Are­al befind­li­chen Per­so­nen sowie mit der Aus­gangs­sper­re aller Anwoh­ner der umlie­gen­den Gebu­de inner­halb einer gesteck­ten Sicher­heits­zo­ne einhergeht).

[2] mit Bezug auf eine Anste­ckungs­ge­fahr: Form des Unter­bin­dens von Kon­tak­ten zwi­schen Men­schen, um ein Anste­ckungs­ri­si­ko zu mini­mie­ren, zum Bei­spiel indem Bezir­ke abge­rie­gelt wer­den oder Aus­gangs­sper­ren verhngt werden.

Die­se Defi­ni­ti­on hat also nichts mit den Coro­na­ma­nah­men hier in Deutsch­land zu tun. Das Wort Shut­down trifft die­se Manah­men schon bes­ser, denn es han­delt sich ja haupt­schlich um Schlie­un­gen, Stil­le­gun­gen oder auch Redu­zie­run­gen des ffent­li­chen Lebens in Deutschland.

Wie kann es aber sein, dass Poli­ti­ker, Leh­rer, Wis­sen­schaft­ler, Jour­na­lis­ten und Mode­ra­to­ren meis­tens nur das Wort Lock­down gebrau­chen, anstatt Shut­down? Gibt es da nie­man­den, der fr Kor­rekt­heit der Inhal­te sorgt bzw. dafr ver­ant­wort­lich ist? Es kann doch nicht sein, dass da nicht ein­fach mal recher­chiert wird!

Klar vern­dert sich die Spra­che gene­rell im Lau­fe der Zeit immer wie­der. Und da geht es mir nicht aus­schlie­lich um Angli­zis­men. Es wer­den nmlich zuneh­mend Wrter benutzt, die in ihrer Bedeu­tung ent­we­der falsch oder mei­ner Mei­nung nach unsin­nig oder gar niveau­los sind. Ein Bei­spiel: In seri­sen Nach­rich­ten im Radio oder Fern­se­hen macht das Wort dicht gera­de rich­tig Kar­rie­re. Die Schu­len machen neu­er­dings dicht und wer­den nicht mehr geschlos­sen. Die Gren­zen sind dicht, nicht geschlos­sen (oder wenigs­tens zu). Die Ein­zel­han­dels­geschfte sind dicht. Das Restau­rant hat dicht gemacht usw. Das tut nicht nur weh son­dern ist auch trau­rig zu hren, wie die deut­sche Spra­che verkm­mert. Was spricht gegen geschlossen?

Die Medi­en, zumin­dest die ffent­lich recht­li­chen, haben einen Bil­dungs­auf­trag und dem­zu­fol­ge auch Ver­ant­wor­tung bezglich des gespro­che­nen Wor­tes. Das der Geni­tiv mitt­ler­wei­le dem Dativ geop­fert wur­de, dar­an haben wir uns ja schon gewhnt. Das wir jetzt an Weih­nach­ten Besuch bekom­men und nicht zu Weih­nach­ten geschenkt. Aber wenn eng­li­sche Wrter gebraucht wer­den, die in ihrer Bedeu­tung nicht zutref­fend, son­dern schlicht falsch sind, macht mich das fassungslos.

Aber so what. Wir neh­men die­se Chall­enge wie sie ist, ent­span­nen bei einem Work­out, machen unse­ren Job, hren dabei einen coo­len Song eines coo­len  Sin­ger Song­wri­ters, machen einen Deal auf einem Open Air Con­cert, glau­ben Fake News und holen uns zum Schuss ein Cof­fee to go zum Mitnehmen.

In die­sem Sin­ne, save the Date und gute Nacht!

Werbung